Vieles im Vorfeld

Im vorherigen Blogeintrag stand, dass vor der eigentlichen Übersetzung bereits das meiste erledigt ist. Der Eintrag ist nicht ins Detail gegangen (sonst wäre er zu lang geworden). Da der Blog aber aufeinander aufbauen soll, ist dies hier eine gute Gelegenheit, diese Lücke zu füllen.

 

Grundsätzlich ist es bei der Übersetzung von Literatur so, dass eine Menge Arbeit erledigt wird, bevor überhaupt der erste übersetzte Satz aufs Papier kommt. Diese besteht aus ein paar Schritten, die die eigentliche Übersetzung später wesentlich erleichtern. Eine Regel, der ich bei der Bearbeitung von Texten folge, lautet: Lesen, Denken, Schreiben. Drei einfache Schritte, die aber je Auftrag recht komplex ausfallen können.

 

Das Lesen beinhaltet das Durchlesen des Textes (idealerweise des gesamten Romans, aber zumindest des einen oder anderen Kapitels), um ein Gefühl für den Inhalt, die Figuren und auch die sprachlichen Eigenheiten zu bekommen.

 

Der Teil mit dem Denken beinhaltet etwas mehr. Beim Lesen bekommt einen Eindruck für die sprachlichen Eigenheiten des Textes: wichtig für die Erstellung eines Glossars. Man überlegt sich, wie man einzelne Begriffe und Phrasen überträgt, welche Stolpersteine es geben könnte (Humor ist immer schwierig, ebenso Wortspiele und Floskeln, die es in der eigenen Sprache nicht gibt) und wie man alles in einem großen Ganzen zusammenführt. Dieser Schritt geht häufig mit dem Lesen-Teil einher, was am Ende Zeit spart.

 

Das Schreiben ist der Teil, in dem alles zusammenkommt, man sich also hinsetzt und den Roman (oder jeden anderen Text) überträgt – hoffentlich so, wie man es sich vorher im Kopf ausgemalt hat. Hier wird der Text richtig zusammengefügt.

 

Da man die Handlung, die Figuren und die Sprache kennt, macht dieser Teil den meisten Spaß. Jedes Mal, wenn die Vorarbeit abgeschlossen ist, freue ich mich richtig darauf, endlich die Geschichte „neu“ erzählen zu können, und zuzuschauen, wie die alles zu einem großen Ganzen zusammenläuft.

 

Übersetzen heißt sich hinsetzen, nach Informationen suchen und diese in einem Text neu zu verpacken. Es gehört noch etwas mehr dazu, aber davon werden die nächsten Blogeinträge handeln.

 

 

 

Bis dahin und beste Grüße!

 

 

 

Ihr

 

Jan Enseling