Papierloses Büro

In einem früheren Blogeintrag habe ich Ihnen von dieser romantischen Vorstellung erzählt, worin ich in einer ganzen Bibliothek sitze, umgeben nur von Büchern und Quellenmaterial, und in aller Ruhe am Laptop an der Übersetzung sitze. Jetzt stellen Sie sich diese Szenerie bitte noch einmal vor – diesmal aber steht auf dem Schreibtisch kein Laptop, sondern eine Schreibmaschine. Daneben ein Haufen Papier, Kohlepapier, Stift und (Sie ahnen es) noch mehr Papier. Schließlich, wenn alles fertig, durchgelesen und nötigenfalls korrigiert ist (was wiederum neues Papier bedeutet), geht es mit dem Stapel Papier ab zur Post.

 

Bei zwei oder drei Seiten ist das kein Akt, aber stellen Sie sich vor, wie es gewesen sein muss, wenn man einen Roman übertrug, praktisch per Hand, und dann der ganze Stapel von mehr als 300 Seiten zur Post muss. Ich bin sehr froh, im Rahmen meiner Arbeit nicht mehr auf so viel Papier angewiesen zu sein, sondern stattdessen „virtuelle“ Blätter habe, die ich bis praktisch unendlich viele Male beschreiben, überarbeiten und korrigieren kann. Ein paar Kilobyte an Dateien sind besser als ein paar Kilo Papier.

 

In den fast 10 Jahren, in denen ich diesen Job schon mache, habe ich immer häufiger den Begriff „papierloses Büro“ gehört und ihn mir zu eigen gemacht. Romantexte können als winzige Dateipakete bearbeitet und abgeschickt werden. Keine Briefe mehr, sondern E-Mails, und Pakete kommen nur noch mit Belegexemplaren drin. (Ein persönliches Highlight für mich.) Auch muss ich kaum etwas ausdrucken (die Einsparungen bei der Tinte sind enorm, wie Sie sehen), und das wenige, das ausgedruckt werden muss, kommt auf wenige Seiten pro Jahr.

 

Besonders interessant ist in dieser Hinsicht auch die Tatsache, dass es inzwischen internetbasierte Übersetzungstools gibt, so dass es nicht einmal notwendig ist, selber mit den eigenen Programmen zu handhaben, sondern von einer Agentur die Zugangsdaten bekommt, die Übersetzung vornimmt und sich den „Umweg“ über die eigenen Programme spart. Man kann sie noch immer verwenden, keine Frage, aber in Sachen Effizienz ist ein Onlineprogramm schwer zu überbieten. Und weil nichts physisch abgeschickt werden muss, reicht ein Klick auf die Taste „Projekt abschließen“, um die Arbeit an den Kunden (bzw. die Agentur) weiterzuleiten.

 

Vor allem aber ist es schön, dass niemand mehr wirklich den Rotstift ansetzen muss. Oder Korrekturroller benötigt. Mit der heutigen Technologie sind wir weit gekommen, und ich glaube persönlich, dass das papierlose und das damit verbundene virtuelle Büro eine effiziente und praktische Zukunft vor sich haben.

 

 

 

Beste Grüße

 

Jan Enseling